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Katharina Hansen-Gluschitz – Kunst als Brücke zwischen Leben und Tod

"Zauberwald"

Bei unserem Telefonat fällt mir sofort ihre hohe, sehr klare Stimme auf. Sie erzählt mir, dass sie in verschiedenen Chören singt. Am liebsten alte Kirchenmusik und Bach. Das passt zu ihr, denn Katharina ist ein spiritueller Mensch. Spannend finde ich, was sie mir zu ihrer Arbeit mit Steinen erzählt. Ich frage die Bildhauerin, wie erschöpft sie ist, wenn sie stundenlang an einem Stein gearbeitet hat, weil ich mir das anstrengend vorstelle. Ihre Antwort: „Die Steine laden mich mit Kraft auf. Sie entstehen unter Druck und großer Hitze. Diese Energie geben sie beim Bearbeiten an den Bildhauer weiter.“

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"Norderstedt - Am Rantzauer Forst"

Die Biografie der Künstlerin ist so vielseitig, wie Katharina selbst. Die ersten zwölf Lebensjahre verbringt sie in den Höhen von Bogotá, Kolumbien. 1972 kommt sie nach Deutschland, beendet die Schule und studiert Informatik, der Sicherheit wegen. Das Studium fällt der Powerfrau, die sich selbst als Stehaufmännchen bezeichnet, leicht. Obwohl eigentlich die Kunst ihr Ding ist, schließt sie es als eine der Besten ab. Nach ihrer Heirat lernt sie in München Zeichnen, Aquarellieren und Modellieren und erwirbt Grundkenntnisse als Bildhauerin. Sie erweist sich als Naturtalent, dem vieles zufällt. Hart erarbeiten muss sie sich ihre Kunst nicht. Seit 1990 lebt und arbeitet sie in Norderstedt als Bildhauerin, Designerin, Malerin, Kunstlehrerin und neuerdings auch als Trauerbegleiterin.

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"Mohnerblühen"

Dieser Aspekt ihrer künstlerischen Entwicklung berührt mich besonders tief. Gemeinsam mit den Angehörigen Verstorbener leistet Katharina aktive Trauerarbeit, indem deren Särge individuell gestaltet und bemalt werden. Die Idee dazu kam ihr, als ihr Vater verstarb. Ihre künstlerische Ader entspringt seinem Erbgut, doch im Gegensatz zu Katharina, lebt der Vater seinen Künstler nur am Rande. Er arbeitet als erfolgreicher Manager und Geschäftsführer, ist schon lange dem Alkohol verfallen, erleidet mehrere Schlaganfälle. Der letzte Versuch, nach Beendigung seiner Karriere sich als Musiker durchzuschlagen, misslingt. Der Alkohol wird ihm zum Verhängnis und als er 2009 verstirbt, hinterlässt er wenigstens eine große Zahl unveröffentlichter Werke, die noch aufgearbeitet werden möchten.
Mit möglichst geringem finanziellem Aufwand muss die Familie die Beerdigung bestreiten, die trotzdem schön und würdig werden soll. Sie kaufen einen einfachen, hellen Sarg und bemalen ihn gemeinsam, Katharina, ihre Geschwister, Kinder und Enkelkinder. So bereiten sie den letzten Weg des Vaters und Opas auf ganz besondere Weise vor. Das Gefühl dieses gemeinsamen Erlebens, des aktiven Abschieds, möchte Katharina an andere Trauernde weitergeben.

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"Immer bei dir"

Ich finde diese Idee wunderbar. Mir gefällt der Gedanke, dass der letzte Akt meiner Lieben an mir ein kreativer, gemeinsamer und bei aller Trauer, hoffentlich auch von Freude und Fröhlichkeit erhellter wäre. Wenn sie dann noch von einer so einfühlsamen und begabten Künstlerin wie Katharina begleitet würden, dann wären ihre Schutzengel sicher ganz nah.

Webseiten: http://www.khansengluschitz.de

                http://malen-zum-abschied.de

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