Das literarische Quintett
In dieser fröhlichen Runde geht es darum, Literatur vorzustellen und zu kommentieren. Wir fünf von der Redaktion werden euch Poesie im Rahmen des literarischen Quintetts wie Kartoffelsalat mit Würstchen servieren. Herr SchlauBÄRger, Irma Immerlustig, Lilli Launig, Pater Pinguin und Anja geben ihren Senf dazu. Leider konnten wir Marcel Reich-Ranicki nicht für unsere Runde gewinnen - noch nicht. Wir denken, dass er eines Tages darum bitten wird ;-)
Mensch und Tier
Ich war im Garten, wo sie all die Tiere
gefangen halten; glücklich schienen viele,
in heitern Zwingern treibend muntre Spiele,
doch andre hatten Augen, tote, stiere.
Ein Silberfuchs, ein wunderzierlich Wesen,
besah mich unbewegt mit stillen Blicken.
Er schien so klug sich in sein Los zu schicken,
doch konnte ich in seinem Innern lesen.
Und andre sah ich mit verwandten Mienen
und andre rastlos hinter starren Gittern -
und wunder Liebe fühlt ich mich erzittern,
und meine Seele wurde eins mit ihnen.
Christian Morgenstern
Pater Pinguin eröffnet die Gesprächsrunde und bittet Herrn SchlauBÄRger um den ersten Kommentar:
Herr SchlauBÄRger: "Christian Morgenstern ist mir sympatisch. Ich selber bin sehr froh, dass ich ein Redaktions- und kein Zoobär bin."
Pater Pinguin: "Als Prediger habe ich schon eine recht artferne Profession gewählt. Das aber immerhin freiwillig."
Irma Immerlustig: "Ich gehe gerne in den Zoo. Ich mag Tiere."
Herr SchlauBÄRger: "Wir können für dich da ja auch einen Käfig hinstellen. Dann kannst du für immer bei deinen Freunden sein."
Lilli Launig: "Es gibt doch jetzt schon Zoos, wo die Tiere artgerechter gehalten werden."
Anja: "Das ist für die Tiere sicher besser als die engen Käfige. Allerdings werden wahnsinnig hohe Kosten dadurch verursacht, dass mit großem Energieaufwand Zustände geschaffen werden, die in ihren Ursprungsgebieten auf natürliche Weise vorhanden sind. Das hat schon etwas Irrsinniges."
Herr SchlauBÄRger: "Durch den erhöhten Energieaufwand erwärmen wir immer weiter die Erde, bis der Eisbär schließlich keine Heimat mehr hat. Also gefärden wir so noch mehr, was wir eigentlich schützen wollten. Plem, plem, oder?"
Pater Pinguin: "Ja, irgendwie scheint das verrückt. Was Christian Morgenstern ganz gut beobachtet hat, ist die Tatsache, dass Tiere sehr unterschiedlich auf das Eingesperrtsein reagieren."
Irma Immerlustig: "Ist doch eigentlich klar, dass es ein Unterschied ist, ob ich Meerschweinchen und Erdmännchen oder Löwen und Eisbären in einen Käfig stecke."
Lilli Launig: "Der arme Eisbär mit seiner dicken Fettschicht und dem dichten Fell gegen Kälte und einem Jagdrevier von rund 150 km und mehr. Er fühlt sich sicher nicht wohl in einem Madrider Zoo!"
Herr SchlauBÄRger: "Wir Bären haben es wirklich nicht leicht. Ich muss z.B. im Winter immer den Schnee vor der Redaktion wegschippen, WEIL ich so ein dickes Fell habe. Und dann soll ich mit den kalten Pfoten noch vernünftige Artikel schreiben!"
Anja: "Armer Herr SchlauBÄRger!"
Pater Pinguin: "Sehr
verehrte Damen und Herren, bevor unser Mottenwohnheim weiterhin Selbstmitleid verbreitet, erinnern wir ihn lieber daran, dass er freiwillig Redaktionsbär geworden ist, beenden das
heutige
literarische
Quintett und
wünschen
Ihnen eine angenehme Woche."

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